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2019-09-17 21:02:46

Tausende VW-Bus-Fahrer mit Biturbo-Diesel hat dieses Schicksal bereits ereilt: Extrem hoher Ölverbrauch und letztendlich Motortod. Die Gelackmeierten sind Käufer, Händler und Versicherungen – nur der Hersteller kommt dabei fast ungeschoren davon. Ein Erfahrungsbericht von Alexander Schiechel.

Das Problem und Ausmaß ist VW schon lange bekannt und auch statistisch bestätigt: Bei über 140 000 T5-Bussen mit 2,0-Liter-Biturbodiesel (132 kW, 179 PS, Baujahr 2011, Motorkennbuchstabe CFCA), die zwischen September 2009 und Mai 2015 produziert wurden, sind allein dem Hersteller an die 12.000 Motorschäden bekannt. (Quelle: bild.de )

In dieser Statistik fehlen aber komplett die in freien Werkstätten reparierten und ausgetauschten Motoren. Die Dunkelziffer ist also nochmal deutlich höher. Grund dafür ist ein defektes Bauteil. Der Kühler der Abgasrückführung (AGR-Kühler) sondert Partikel korrodierter Kühlrippen in die Brennräume des Motors ab, die Zylinderlaufbahnen und Kolbenringe verschleißen mit der Zeit. Die ersten Symptome sind immer ein stark erhöhten Ölverbrauch - noch unter 100.000 Kilometer Laufleistung.

Probleme mit dem T5 aus eigener Erfahrung

Ich selbst bin Betroffener. Ähnlich wie Thomas Schneider es bei bild.de diese Woche schilderte, erwarb auch ich 2017 einen VW-Bus T5 Multivan mit 80.000 Kilometern knapp unter 30.000 Euro bei einem freien Händler. Schon beim ersten Ausflug Richtung Alpen musste ich am Irschenberg den ersten Liter Öl nachfüllen. Und so ging das alle 1000 bis 2000 Kilometer weiter.

Das erste Mal googelte ich das Problem, fand in Foren und Netzwerken unzählige weitere Betroffene. Das Symptom war immer das gleiche: Ein gigantisch hoher Ölverbrauch bei gleichem Modell und gleicher Motorisierung. Thomas Schneider wollte diesem Problem entgehen und stellte schon vor dem sicher bevorstehenden Schaden einen Antrag auf Kostenübernahme für den AGR-Kühler-Wechsel. VW lehnte ab. „Präventivmaßnahmen könne man nicht unterstützen“, hieß es in einem Schreiben an den Antragsteller.

VW lehnte auch meinen Kulanzantrag ab

Ich meldete den drastischen Ölverbrauch natürlich dem Händler und dieser ließ eine kontrollierte Messung bei VW machen. Dabei wird maximal Öl eingefüllt, die Nachfüllöffnung verplombt und dann genau 1000 Kilometer gefahren. Ergebnis bei erneuter Messung: Der Ölverbrauch ist mit fast 2 Liter pro 1000 Kilometer deutlich zu hoch. Allein dafür kassiert VW übrigens um die 200 bis 300 Euro (Öl und Arbeitszeit).

Ein Kulanzantrag zur Behebung des Problems wurde von VW nun abgelehnt. Grund: Ein Service wurde vom Vorbesitzer einen Monat zu spät gemacht. Für mich eine nicht nachvollziehbare Begründung. Inzwischen führte ich immer einen 5-Liter-Ölkanister mit. Bei jedem Tank-Stopp musste ich den Ölstand kontrollieren und längere Fahrten wurden stets von einem unsicheren Gefühl und einem Blick auf die Öltemperatur begleitet.

Dem Händler war ein Austauschmotor für ca. 10.000 Euro zu teuer und er ließ den Motor bei einer freien Werkstatt für ca. 3000 Euro aufbereiten. Diese Kosten übernahm die von mir abgeschlossene Gebrauchtwagenversicherung. Ein Fehler. Mit dieser Maßnahme wurden somit nämlich auch alle kommenden Schäden am Motor versicherungstechnisch ausgeschlossen.

Symptom bekämpft, aber nur für kurze Zeit

Die Freude über den jetzt normalen Ölverbrauch hielt wie befürchtet nicht lange an. Bereits nach knappen 15.000 weiteren Kilometern kam der Motor-Pleuellager-Totalschaden, der sich durch einen Sachverständigen auch auf das ursprüngliche Problem zurückführen ließ. Es gibt nämlich nur eine Lösung, wenn der Motor erst mal anfängt in dieser Dimension Öl zu schlucken: Ein Austauschmotor inkl. neuem AGR-Kühler (standardmäßig am neuen Motor), neuem Turbo und Diesel-Partikelfilter (DRPF oder DPF). Alles andere ist Murks und endet früher oder später mit dem Motor-Exitus. Die Kosten hierfür bewegen sich immer um die 10.000 Euro.

Letztendlich musste ich den Schadensfall über einen Anwalt regeln lassen, zum Glück hatte ich eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Allerdings konnte ich nur den Händler in die Pflicht nehmen, nicht VW selbst. Der Händler und ich haben uns die Kosten für den Austauschmotor geteilt. Berücksichtigt sind hier allerdings nicht die Kosten, die bei der Bewältigung des Problem über Monate entstanden sind: Fahrten zu Werkstätten, Leihautos, Abschleppkosten, Anwaltskosten usw.

Rage against Volkswagen

Wer bei diesem Schaden überhaupt nichts zahlen musste, ist der für mich eigentlich Verantwortliche: VW. Wie mir ging und geht es tausenden VW-Bus-Besitzern mit diesem Motor-Typ und fehlerhaften AGR-Kühler In den seltensten Fällen wird ein Kulanzantrag von VW genehmigt. Es zahlen die Käufer, Händler und Versicherungen.

Viele der T5-Besitzer leben mit dem Problem, kippen permanent Öl nach, weil sie sich eine Reparatur nicht leisten können. Das Auto wurde in diesen Fällen meist privat und nicht bei einem Händler gekauft. Eine Rechtsschutzversicherung haben die meisten Betroffenen auch nicht. Die Wut der Betroffenen ist deutlich zu spüren. In der Facebook-Gruppe VW T5 - T6 Germany berichten wöchentlich neue Mitglieder vom gleichen Problem – auch, weil viele ihre Busse aus der Not heraus verkaufen, ohne auf den Ölverbrauch zu verweisen.

So werden die Busse von einem Besitzer zum nächsten gegeben. Viele davon werden sich nie wieder einen VW-Bus in ihrem Leben kaufen (können). Nicht zuletzt deshalb ist das Verhalten von VW nicht nachvollziehbar. Gäbe es den Kult, die treue Community und die unzähligen kreativen Zubehör-Hersteller nicht, wäre das Ausmaß und die Konsequenzen der Verbraucher sicher noch drastischer.

VW, warum geht ihr so mit der Bulli-Fangemeinde um? Es ist eine Schande.


focus.de Focus Online
nicht motor lverbrauch hndler auch einen eine problem focus einem zahlen sind


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