Automobili

/   automobili.ga     AutoMoto   / Deutsch  

2019-09-17 16:22:57

Manche Sportler bringen es trotz vielversprechender Veranlagung nie zu richtigem Erfolg. So brachte im Grunde der vor fünfzig Jahren aus einer Zweckgemeinschaft von Volkswagen und Porsche hervorgegangene Zwitter VW-Porsche 914 gute Voraussetzungen mit, um zu einem auch für Normalverdiener erschwinglichen Volks-Porsche zu werden. Dieses Ziel hatte der kurz zuvor ausgelaufene Porsche-Typ 912, der unter dem Habit seines leistungsstarken Bruders 911 den angejahrten Vierzylinder des Vorgängers 356 C auftragen musste, gründlich verfehlt. Schon deshalb, weil sein Preis von 17.540 Mark (8968 Euro) deutlich überteuert war.

Daran gemessen war der VW-Porsche 914 für 12.560 Mark (6422 Euro), der im August 1969 auf den Markt kam, ein echtes Discountangebot. Als Antrieb diente ihm der aus der VW-Limousine 411 E entliehene Vierzylinderboxer, der aus 1679 Kubikzentimeter Hubraum 80 PS (59 kW) bei 4900/min holte und als Mittelmotor zwischen den Achsen installiert war – eine konstruktive Reminiszenz an den allerersten, noch in Gmünd (Kärnten) entstandenen Prototyp des Typs 356. Dank dieser Triebwerksposition war der Radstand 18 Zentimeter länger und die Außenlänge (3,98 Meter) 18 Zentimeter kürzer als beim 911, was deutlich bessere Handlingeigenschaften generierte. Allerdings war der 914 im Grenzbereich nicht leicht zu beherrschen, die ausgewogene Gewichtsverteilung bescherte ihm ein etwas indifferentes Eigenlenkverhalten. Da der VW-Porsche mit nur 900 Kilogramm Leergewicht auch noch mehr als zwei Zentner leichter war als der Elfer, besaß er typische Merkmale eines echten Sportwagens, obwohl er diesem Anspruch mit lediglich 177 km/h Höchstgeschwindigkeit keineswegs gerecht wurde.

Dieses Manko bestand auch weiter, nachdem von August 1973 an das fünf PS stärkere Doppelvergasertriebwerk aus dem VW 412 S eingebaut worden war. Im Vergleich zum deutlich flotteren und zudem 3000 Mark billigeren Opel GT/J sah der Volks-Porsche ziemlich alt aus. Das galt auch im Wortsinn, denn sein gewöhnungsbedürftiges Design mit den seltsamen Warzen auf der Nase hielt die Nachfrage in Deutschland in Grenzen. Der weitaus größere Teil der bis Ende 1975 produzierten Gesamtstückzahl von 118.978 Exemplaren wurde in die Vereinigten Staaten exportiert.

Lediglich 3332 Käufer begeisterten sich für ihn

In den letzten drei Produktionsjahren war für einen geringen Aufpreis auch ein 100 PS (74 kW) starkes Zweilitertriebwerk lieferbar. Leistungshungrigere Kunden konnten den kantigen Zweisitzer mit den Schlafaugen-Scheinwerfern bis Januar 1972 auch als VW-Porsche 914/6 mit dem 110 PS (81 kW) starken Porsche-Sechszylinder aus dem 911 T ordern, der endlich die magische 200-km/h-Marke durchbrach, wenn auch nur ganz knapp. Weil er mit 19.000 Mark (9714 Euro) nur 999 Mark weniger kostete als der billigste Elfer, begeisterten sich allerdings lediglich 3332 Käufer für ihn.

Höhere Erfolgschancen hätte zweifellos der wesentlich schnellere VW-Porsche 916 gehabt, in den die Porsche-Ingenieure den 190 PS (140 kW) starken 2,3-Liter-Motor aus dem Typ 911 S implantiert hatten. Er beschleunigte in weniger als sieben Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 233 km/h. Das im Basismodell 914 serienmäßig von Schnellverschlüssen gehaltene Targadach aus glasfaserverstärktem Kunststoff war im 916 durch ein fest verschraubtes Stahlblechdach ersetzt worden, um die Steifigkeit zu verbessern. Ebenso wie die 914/6-Modelle wurde auch er bei Porsche in Zuffenhausen montiert, während die Vierzylinder-Typen bei den Karosseriewerken Karmann in Osnabrück vom Band liefen. Vom superschnellen 916 entstanden lediglich elf Prototypen, von denen sich Mitglieder der Familien Porsche und Piëch gleich mal fünf Stück in ihre privaten Garagen stellten.

Ein ganz besonderes Schmankerl ließ sich in den frühen siebziger Jahren der kürzlich verstorbene Ferdinand Piëch maßschneidern, damals war er noch Technikchef in Zuffenhausen: einen 914/6 mit dem Achtzylinder aus dem Rennsportwagen 908, der aus drei Litern Hubraum 350 PS (257 kW) bei 8400/min holte. Ein zweites Exemplar erhielt Firmenpatriarch Ferry Porsche zu seinem sechzigsten Geburtstag.

Die kurze Karriere des von der anvisierten Klientel nie wirklich akzeptierten Volks-Porsches endete 1975 mit der Markteinführung des Porsches 924, auch er wieder ein Zwitter mit modifiziertem Motor vom Audi 100. Klassikerstatus dürfte der 914 wohl nicht so rasch erlangen, Basismodelle im Zustand 2 dümpeln heute nur knapp über der Marke von 20.000 Euro im Markt, auf dem gleichen Niveau wie Karmann-Ghia-Coupés. Deutlich teurer ist die Sechszylinderversion, die mit rund 75.000 Euro auf Augenhöhe mit Porsches 356 B-Coupé liegt.


faz.net Frankfurter Allgemeine Zeitung Gmbh
porsche auch mark euro volkswagen deutlich sich lediglich https ungeliebte kind volks


User comments