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2019-09-17 15:00:36

Interview mit Porsche-Chef Blume: Macan und Boxster elektrisch, 911er darf Benziner behalten: Das plant Porsche wirklich

Porsche-Chef Oliver Blume äußert sich im Interview über die angeblichen Probleme mit der „Premium Platform Electric“ (PPE), verrät Neuigkeiten zur Hybridisierung des 911er und enthüllt, welche elektrischen Optionen für den nächsten Boxster auf dem Tisch liegen.

FOCUS Online: Jetzt haben Sie den Porsche Taycan enthüllt. Aber dabei soll es nicht bleiben. Wie sieht die elektrische Porsche-Zukunft genau aus?

Oliver Blume: Auch nach dem Taycan geben wir weiter Gas. Die Elektromobilität wird für Porsche eine echte Erfolgsgeschichte. Dabei stehen wir noch am Anfang und haben viel Entwicklungspotential. Allein bis 2022 investieren wir mehr als sechs Milliarden Euro in diese Zukunftsprojekte. Auf den Taycan, unseren ersten vollelektrischen Sportwagen, folgt der Taycan Cross Turismo. Der neue Macan wird ein völlig eigenständiges Porsche-Produkt sein, das für die Elektromobilität konzipiert ist. Zumindest für die kommenden zehn bis 15 Jahre planen wir aber bei den Antriebskonzepten mit einem Dreiklang. Porsche wird Autos mit optimierten, emotionalen Benzinmotoren und leistungsstarken Hybrid-Antrieben sowie rein elektrische Sportwagen parallel anbieten. Wir stellen uns möglichst flexibel auf.

Wird die Elektromobilität die wichtigste dieser drei Antriebsformen?

Welchen Anteil jede der Technologien in den nächsten Jahren haben wird, hängt auch von den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Märkten ab. Wenn die Entwicklung so dynamisch weitergeht, könnten im Jahr 2025 mehr als 50 Prozent unserer Fahrzeuge vollelektrisch oder teilelektrisch als Benzin-Hybrid verkauft werden.

Elektro und Benziner noch lange parallel

Der Porsche 911 wird einen Hybridantrieb bekommen, der angeblich dem dynamischen Konzept dieses Autos gerecht wird. Wie wollen Sie das umsetzen?

Blume: Der 911 ist die Ikone der Marke Porsche und eine feste Größe in der Produktpalette. Er wird noch lange mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sein. Wir warten die Evolution der Batterietechnologie ab, bevor wir Hybride für diese Modellreihe anbieten. Aktuell haben wir zwei Varianten im Auge: Eine Option ist ein sehr leistungsfähiger Hybridantrieb, der an unser Rennfahrzeug 919 Hybrid angelehnt ist. Der Vorteil dieser Technologie ist das geringe Gewicht. Eine weitere Alternative ist ein Plug-in-Hybrid.

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Es also denkbar, dass beide Varianten in verschiedenen 911er-Modellen eingesetzt werden?

Blume: Das ist durchaus eine Möglichkeit, die wir in Betracht ziehen. Parallel dazu wird es aber weiterhin die Verbrennungsmotoren geben, sei es als Turbo oder als hoch emotionale Sauger bei den GT-Modellen.

Saugmotor darf bleiben - für Sportmodelle

Sie erwähnten, dass Sie bei den Hybriden auf die neuesten Akkus setzen werden. Reden wir da von Feststoffbatterien?

Blume: Für Feststoffbatterien ist es noch zu früh. Die sehe ich eher in einem Zeitraum zwischen 2025 und 2027, aber auch dann zunächst nur in Kleinstserien. Es wird im Moment bei Lithium-Ionen-Batterien bleiben, bei denen die Effizienz-Fortschritte in der Leistungsdichte und dem Gewicht aktuell bei rund zehn Prozent pro Jahr liegen.

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Auf welchen Plattformen werden die vollelektrischen Porsche-Modelle basieren?

Blume: Wir konzentrieren uns auf die Taycan-Plattform und die Premium Platform Electric (PPE), die wir zusammen mit Audi entwickeln. Die PPE sehen wir zunächst als Hochboden-Architektur, sie ist also insbesondere für SUV-Fahrzeuge einsetzbar. Ein großer Vorteil ist ihre Skalierbarkeit, so dass sie auch als Flachboden-Plattform für weitere Modelle genutzt werden kann. Bei der Konzeption des Taycan haben wir vieles gelernt, einiges davon wird sich in der PPE wiederfinden. Mit dieser Architektur werden wir einen neuen Standard im Premium-Segment setzen.

Angeblich gibt es bei der PPE Probleme mit der Leistungsfähigkeit der elektrischen Achsen?

Davon ist mir nichts bekannt. Im Gegenteil, wir liegen bei der PPE voll im Plan.

Boxster und Cayman: Elektrisch in die Zukunft

Wird der nächste Boxster beziehungsweise Cayman ein rein elektrisches Fahrzeug?

Im Moment machen wir uns konzeptionelle Gedanken, wie wir die nächste 718-Generation auslegen möchten. Die finale Entscheidung wird in den kommenden zwölf Monaten fallen. Wir können uns gut vorstellen, dass solch ein Fahrzeug elektrisch ist.

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Könnten Sie etwas mehr ins Detail gehen?

Sollten wir die Modellreihe elektrifizieren, müssten wir uns auch auf das Gewichtsmanagement fokussieren. Dazu gehört, dass die Batterie die gleiche Einbaulage hätte, wie der Verbrennungsmotor. Die typischen 718er-Gene würden wir bewahren. Dazu könnten wir Elemente der PPE nutzen, die grundlegende Architektur müsste aber anders aufgesetzt werden. Eines ist sicher: Auch ein Porsche-Elektrosportwagen ist zu 100 Prozent Porsche.

Wie schwer dürfte denn so ein vollelektrischer Boxster sein?

Das Gewicht aus dem Auto zu bringen, ist eine der herausforderndsten Aufgaben für unsere Ingenieure. Das ist eines der konzeptionellen Themen, mit dem wir uns momentan intensiv beschäftigen. Die Elektromobilität bietet Vorteile bei der Fahrdynamik, weil Bauteile wie die Kupplung und die Kardanwelle fehlen. Die Regelgeschwindigkeit ist dadurch deutlich schneller. Das müssen wir uns zunutze machen, um die Gewichtsnachteile der Batterie auszugleichen. Das Maximalgewicht eines solchen vollelektrischen Fahrzeugs sollte bei etwa 1.600 Kilogramm liegen. 

Wenn Sie Porsche fit für die elektrische Zukunft gemacht haben, setzen Sie sich dann in einen Taycan, fahren nach Wolfsburg und werden VW-Chef?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich habe meine Karriere noch nie geplant. Bei Porsche fühle ich mich richtig wohl. Für mich ist das der schönste Job, den es gibt.

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